Auf der Suche nach dem richtigen Verhältnis von Nähe und Distanz

von Margot Gasper

Präventionsschulung (Aachener Nachrichten) (c) Aachener Nachrichten
Präventionsschulung (Aachener Nachrichten)
Mi 6. Jan 2016
Famlienpaten durchlaufen Präventivschulung "Sexueller Missbrauch"

Die Familienpaten, das ist eine echte Erfolgsgeschichte. Frauen und Männer, die regelmäßig etwas Zeit erübrigen können, schenken diese Stunden Familien in Aachen. Sie verbringen Zeit mit den Kindern, und im Idealfall halten sie Müttern und Vätern den Rücken frei und stehen ihnen mit ihrer Lebenserfahrung zur Seite.

Die Familienpaten, das ist auch eine Geschichte, die sehr viel mit Vertrauen zu tun hat. Die Eltern müssen ihren Familienpaten großes Vertrauen entgegenbringen. Schließlich sind die Ehrenamtler zunächst wildfremde Menschen. Und natürlich stellen Mütter und Väter sich Fragen: Kann ich dieser Person meine Kinder anvertrauen? wwie kann ich sicher sein, dass es nicht zu sexuellen Übergriffen kommt? Auch die Ehrenamtler haben Fragen und womöglich Bedenken, mit welchen Situationen sie in den Familien konfrontiert werden.

"Dieses Thema nehmen wir sehr ernst", sagt Eva-Maria Wagner. "Unsere Paten gehen als Fremede in ein sehr sensibles, intimes System. Aber die Bereitschaft der Ehrenamtler ist große, sich diesen Fragen zu stellen." Gemeinsam mit Marion Scheins koordiniert Wagner die Fachstelle Familienpatenschaften. "Es ist unsere Aufgabe, bei diesem Thema möglichst für Sicherheit zu sorgen", sagt sie.

Natürlich wird jede FAmilienpatin, jeder Familienpate in Aachen in ausführlichen Gesprächen auf Herz und Nieren geprüft. Seit 2014 ist aber auch eine sechsstündige Präventionsschulung zum Thema "Sexueller Missbrauch" Pflicht. Arbeitsgrundlage ist die Präventionsordnung des Bistums Aachen. GErade hat die sechste Schulung stattgefunden. "DAmit haben nun alle unsere 78 Familienpaten, darunter 15 Männer, die Fortbildung durchlaufen", bilanziert Scheins.

Grenzsetzungen wahrnehmen

Rosi Platzmann leitet die Schlungen. Sie ist Kommunikationstrainerin und Referentin für Präventionsschulung, sie ist aber auch selbst als Familienpatin im Einsatz. Unter ihrer Anleitung setzen sich die Paten zum Beispiel mit der Nähe und Distanz auseinander und der Frage, wie eine angemessene Beziehung zu den "Patenkindern" gestaltet werden kann. Rosi Platzmann übt mit den Patinnnen und Paten, wie sie Grenzsetzungen von Kindern sensibel wahrnehmen und wie sie Kinder in deren Selbstbewusstsein stärken können. "Wie können Kinder in ihrem Leben vor Übergriffen geschützt werden, um diese Frage geht es", sagt Platzmann.

Info

Mehr als 50 Familie stehen auf der Warteliste

Die Fachstelle Familienpatenschaften, getragen vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) und dem Katholischen Verein für soziale Dienste (SKM) in Aachen, arbeitet jetzt bereits im zehnten Jahr. Und die Familienpaten sind anhaltend gefragt.

Aktuell stehen mehr als 50 Familien auf der Warteliste. Viele haben kleine Kinder und warten dringend auf einen Menschen, der sie im Alltag ein Stück weit begleitet. "Wir können weitere Ehrenamtler brauchen", sagt Eva-Maria Wagner. Zumal etliche Paten bereits seit sieben oder acht Jahren dabei sind und ihren ehrenamtlichen Einsatz nun beenden.

Auskunft zum Projekt Familienpaten erteilen die Koordinatorinnen Eva-Maria Wagner, 0241/41355-527, und Marion Scheins, 0241/41355-529. Infos im Netz: www.familienpatenschaften-aachen.de