Der „Pastor von Rothe Erde“

Helmut Soiron engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Bereich der pastoralen Dienste

KiZ Der „Pastor von Rothe Erde“ (c) Markus Vahle
KiZ Der „Pastor von Rothe Erde“
So 13. Mai 2012
Von Markus Vahle. Wenn im SKM-Seniorenzentrum Rothe Erde allgemein vom „Herrn Pastuur“ die Rede ist, dann weiß jeder sofort, wer gemeint ist. Denn Helmut Soiron, ein waschechtes Kind seines Viertels, ist in und rund um St. Barbara so bekannt wie ein bunter Hund.

Dabei ist der Mann gar kein Priester, ja noch nicht einmal Diakon. Dafür ist der 73-jährige ehemalige Versicherungskaufmann so etwas wie der gute Geist des Hauses. Und noch vieles mehr. Wenn einmal Not
am Mann beziehungsweise am Priester ist: Helmut Soiron ist zur Stelle. „Nicht, dass Sie denken, ich würde Amtsanmaßung betreiben.“ Mit diesen Worten beugte Soiron beim zuständigen Pfarrer Gregor Huben möglichen Missverständnissen sicherheitshalber vor, als dieser den engagierten Pensionär bei seinem Amtsantritt bat, ihn auf seinem Rundgang über die einzelnen Etagen zu begleiten. „Ich habe schon mehrfach versucht, den Bewohnern zu erklären, dass ich gar kein Priester bin“, erzählt Soiron.

Seit zwölf Jahren entlastet er die Hauptamlichen

Irgendwann habe er es dann allerdings aufgegeben, den Sachverhalt jedes Mal von Neuem richtigzustellen. „Seither bin ich für viele hier einfach nur der Herr Pastor und sogar unser zuständiger Pfarrer hat kein Problem damit.“ Ob nun bei der Gestaltung der Wortgottesdienste im Foyer des Altenheims (an jedem 2. Dienstag im Monat) oder bei der Feier der Krankenkommunion auf den einzelnen Etagen; ob als  Beerdigungsbeauftragter, als routinierter Organisator und Begleiter von Ausflügen und Wallfahrten oder als
Überbringer von Geburtstagsglückwünschen: Auch ohne Priesterweihe ist Helmut Soiron in der Ausübung all dieser wichtigen pastoralen und liturgischen Dienste stets mit Leib und Seele bei der Sache. Mit den Jahren ist der Vielberufene schon ein richtiger Profi geworden und trägt somit auch zur Entlastung der Hauptamtlichen der Gemeinde bei. Und dies mittlerweile schon im zwölften Jahr. Auch bei der Leitung des Hauses weiß man nur zu gut, was man an ihm hat. „Ein hauptamtlicher Priester hätte bei der heutigen Vielzahl der Aufgaben gar keine Zeit, jedes Mal zu uns ins Haus zu kommen“, sagt Marie Kuss vom Sozialen Dienst.

Eng verbunden mit Viertel und Altenheim

Insofern schätze man sich gleich doppelt glücklich, in Helmut Soiron nicht nur jemanden zu haben, der sich dem Viertel eng verbunden fühlt, sondern auch mit dem Altenheim und dessen Bewohnern.

Da viele von ihnen bereits hoch betagt und teils auch dement sind, schätzen sie es besonders, in ihm ein vertrautes Gesicht und einen festen Ansprechpartner zu haben. „Wenn Herr Soiron mal in Urlaub oder anderweitig nicht verfügbar ist, merkt man das sofort“, schwärmt Kuss in den höchsten Tönen. So geschehen vor ein paar Jahren, als eine schwere Erkrankung den umtriebigen Rentner zwang, vorübergehend kürzer zu treten und sich erst einmal ausschließlich um die eigene  Gesundheit zu kümmern. Aber nach weiteren krankheitsoder auch urlaubsbedingten „Ausfällen“ sieht es im Moment ohnehin nicht aus. „Ich lege meinen Urlaub nach Möglichkeit so, dass ich mit den Gottesdienstterminen nicht in Konflikt gerate“, beruhigt Soiron. Und im Verhinderungsfall weiß er sich durch seinen Freund Matthias Baumann bestens vertreten.

Wie lange er noch weitermachen möchte? „Ich bin zeitlich nach hinten hin offen, so lange mir die Gesundheit keinen erneuten Strich durch die Rechnung macht“, sagt der 73-Jährige, der bereits die nächste große Wallfahrt nach Lourdes – für ihn ist es bereits die neunte – fest im Blick hat. Und im Seniorenzentrum an der Barbarastraße wird man diese Worte sicherlich gerne hören. Helmut Soiron (stehend) gestaltet seit vielen Jahren auch Wortgottes-Feiern im  Altenheim. Helmut Soiron gilt als der „Pastor von Rothe Erde“.