„Jedes Kind leidet unter der Trennung seiner Eltern.“

Kinder im Blick: Inga Breuer und Irene Engelhardt (c) SKM
Kinder im Blick: Inga Breuer und Irene Engelhardt
Di 17. Okt 2017
Interview mit Inga Breuer und Irene Engelhardt – KiB Trainerinnen des SKM und SKF Aachen e.V.
Kinder im Blick: Inga Breuer und Irene Engelhardt (c) SKM
Kinder im Blick: Inga Breuer und Irene Engelhardt

Was ist KiB?

Engelhardt: KiB ist die Abkürzung für Kinder im Blick. Kib ist ein Kursangebot für  getrennt lebende Eltern. Dabei ist wichtig, dass der Kurs ein Training für Eltern ist. Es ist keine Beratungs- oder Selbsthilfegruppe.

Worin unterscheidet sich der KiB-Kurs von der Selbsthilfegruppe?

Engelhardt: Nehmen wir ein Beispiel, das wahrscheinlich viele getrennt lebende Eltern kennen. Der Vater holt das Kind von der Mutter ab. Die Mutter sagt zum Kind: „Jetzt musst Du wieder zum Papa gehen.“  Darunter leidet das Kind und es ärgert den Vater. In unserem Kurs geht es weder darum das Verhalten der Mutter zu bewerten, noch liefern wir die Zauberformel, damit die Mutter das nicht mehr sagt. Aber was wir machen können, ist verschiedene Techniken und Methoden zu erarbeiten, die den Beteiligten helfen besser mit der Situation umzugehen.

Breuer: Durch angeleitete Rollenspiele haben die Teilnehmer z.B. die Möglichkeit auch einmal die Perspektive zu wechseln. Durch die Trennung hat sich die Paarbeziehung verändert, aber man bleibt immer noch in der Elternverantwortung. Wie der Name es schon sagt, nehmen wir hier vor allem das Kind in den Blick. Die Erfahrung zeigt, dass wenn ein Partner etwas verändert, bewegt sich auch der Rest des Systems – also der andere Elternteil oder das Kind.

Kann ich auch ohne meinen Ex-Partner oder Ex-Partnerin den Kurs besuchen?

Breuer: Am effektivsten ist es, wenn beide Elternteile am  KiB-Kurs teilnehmen. Das besondere ist in unserem Fall, dass die getrennten Paare nicht in eine Kursgruppe kommen. Wir trennen das. Aber es ist auch möglich, dass nur ein Elternteil an einem Kurs teilnimmt.

Mittlerweile gibt es sehr viele Kinder deren Eltern sich getrennt haben. Man bekommt das Gefühl, es ist ein stückweit normaler geworden, als z.B. noch vor 30 oder 40 Jahren. Verringert das den Leidensdruck der Kinder heute?

Engelhardt: Ich habe in den vielen Jahren noch kein einziges Kind getroffen, das sagt: „Super, meine Eltern haben sich getrennt. Hab ich gar kein Problem mit.“ Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass jedes Kind unter der Trennung seiner Eltern leidet. Unabhängig davon wie alt es ist oder wie die Situation vorher war. Und auch unabhängig, wie es sein Leid vielleicht ausdrückt.  Jedes Kind braucht Mutter und Vater.

Breuer: Deswegen ist es so wichtig die Kinder im Blick zu behalten. Was braucht mein Kind in dieser Situation? Worauf muss ich achten? Die Teilnehmer bekommen von uns eine Elternmappe und auch Trainingsaufgaben um die Dinge, die wir im Kurs erarbeiten Zuhause umzusetzen.

Engelhardt: Und auch zu lernen, nach sich selbst zu schauen. Was brauche ich? Es kommt vor, dass gerade weil die Eltern es gut meinen, die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt werden.

Breuer: Wir vergleichen das gerne mit einer Notsituation im Flugzeug. Dort müssen sie auch zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen. Erst dann kümmern sie sich um ihr Kind. Ihr Kind hat nichts davon, wenn sie vorher zusammenklappen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Infotext:

Sie interessieren sich für den KiB-Kurs?

Anmeldung und Informationen:

Per E-Mail oder telefonisch:

Frau Inga Breuer: E-Mail: inga.breuer@skm-aachen.de

Frau Irene Engelhardt:  Tel.  0241- 470 450