Lernen von den Aachener Familienpatenschaften

Christdemokratische Sozialpolitiker aus Region und Landtag besuchten Fachstelle von SKM und SkF Aachen

cda-beim-skm-aachen (c) Thomas Hohenschue
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Mi 16. Jul 2014
Seit 2006 vollbringen die Sozialverbände SKM und SkF in Aachen eine viel beachtete Leistung. Sie führen Familien, die Entlastung und Unterstützung benötigen, mit ehrenamtlichen Paten zusammen.

Die Familienpaten leisten, professionell qualifiziert und begleitet, kleine Hilfen mit zuweilen großer Wirkung. Angesichts seines durchschlagenden Erfolgs ist das Aachener Modell ein Exportschlager.

Was sich aus den Erfahrungen in der Kaiserstadt sozialpolitisch und gesetzgeberisch lernen lässt, interessiert auch die Landespolitik. Am 16. Juli schaute im Rahmen der Sommertour der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Bernhard Tenhumberg vorbei. Der Abgeordnete aus dem Kreis Borken ist Sprecher der CDU-Landtagsfraktion für Familie, Kinder und Jugendliche.

Begleitet von einem Tross regionaler Sozialpolitiker und dem Aachener Bundestagsabgeordneten Rudolf Henke, suchte Tenhumberg das Gespräch mit SKM-Geschäftsführer Torsten Nyhsen und den Mitarbeiterinnen der Fachstelle Familienpatenschaften, Eva-Maria Wagner und Marion Scheins. Aus erster Hand holte er sich die Aachener Erfahrungen aus acht Jahren Familienpatenschaften ab.

Der Abgeordnete zeigte sich überzeugt von der hohen präventiven Wirkung des Ansatzes. Was jetzt in die Begleitung von Familien mit jungen Kindern investiert werde, sei gut angelegtes Geld. In vielen Fällen würden Hilfen zur Erziehung umgangen oder spätere soziale Kosten eingespart. Und man steigere unmittelbar die Lebensqualität etwa von Alleinerziehenden, betonten regionale CDA’ler.

Es dürfe allerdings nicht sein, dass eine solche präventive Arbeit nur in den Kommunen geleistet werde, wo es starke Sozialpolitiker und mutige Verwaltungsleute gebe, sagte Tenhumberg. Das oft zu beobachtende kurzsichtige Denken in Ressorts und Wahlperioden sei zu überwinden. Die Lebenschancen eines Kindes dürften in Deutschland nicht davon abhängen, wo es geboren wird.

Mit nach Düsseldorf nahm der Abgeordnete die Botschaft, dass der Bedarf an niedrigschwelliger Begleitung von Familien ausgesprochen hoch ist. Der Ausbau der Infrastruktur in der frühen Kinderbetreuung ermöglicht zwar eine stärkere Berufstätigkeit der Eltern. Aber die emotionalen und alltagspraktischen Hürden, damit Familie gelingt, bleiben, gerade bei Alleinerziehenden.

Die Familienpatenschaften schlagen hier eine Brücke. Sie mobilisieren auf eine verantwortlich gestaltete Weise bürgerschaftliches Engagement von Menschen zwischen 20 und 80 Jahren. Wie in Aachen verlässliche ehrenamtliche Strukturen aufgebaut und nachhaltige Beziehungen zwischen Paten und Familien gestiftet werden, beeindruckte Tenhumberg.

Für mögliche gesetzgeberische Initiativen im Landtag holte sich der Abgeordnete gleich auch noch die Einschätzung ab, dass eine Fachkraft, welche Familien, Paten und Institutionen berät, qualifiziert und vermittelt, bei etwa 50 Ehrenamtlichen ihre Leistungsgrenze erreicht. Da der Bedarf quer durch die Gesellschaft reicht, zeigt allein diese Zahl die Größe der politischen Herausforderung auf.