Nicht alleine lassen

Unterstützung für junge Flüchtlinge in der Städteregion

Flüchtling (c) www.pixabay.com
Flüchtling
So 23. Okt 2016
Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung nach Deutschland kommen, sind eine besonders schutzbedürftige Gruppe unter den Flüchtlingen.
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Damit sie gut ankommen und Fuß fassen können, haben sich in der Städteregion unterschiedliche Angebote entwickelt, um ihnen den Schutz und die Unterstützung zu geben, die sie brauchen, und das Gefühl „Du bist nicht alleine“.

Aufnahme und Unterbringung

Traumatische Erlebnisse in ihren Heimatländern und/oder auf der Flucht, ein fremdes Land, in dem sie sich nicht oder nur schlecht verständigen können, in dem
sie die Gepflogenheiten nicht kennen: Das ist schon für erwachsene Flüchtlinge nicht einfach. Für Jugendliche ist die Situation noch ungleich schwieriger. Sie haben ihre Familie verloren oder mussten sich von ihr trennen und sind nun auf sich alleine gestellt. Den im Heimatland zurückgebliebenen Familienangehörigen
fühlen sie sich nach wie vor verpflichtet, Landsleute hier in Deutschland haben großen Einfluss auf sie, positiv wie negativ. All die rechtlichen Dinge, die auf sie
zukommen, überfordern sie.

Seit einem knappen Jahr greift eine neue Gesetzgebung, die die Inobhutnahme durch die Jugendämter vor Ort und Verteilung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge regelt. Vom Jugendamt werden die Jugendlichen (die Altersspanne liegt zwischen 13 und 17 Jahren, wobei mangels Geburtsurkunde nicht immer eindeutig ist, wie alt ein Jugendlicher wirklich ist) zunächst in einer Einrichtung der Jugendhilfe untergebracht. In einem sogenannten Clearingverfahren wird die
Situation der jungen Flüchtlinge geklärt: Wo kommen sie her? Wie ist ihr gesundheitlicher Zustand? Gibt es Familienangehörige in Deutschland oder in der  Region, zu denen sie können?

In den Einrichtungen der Jugendhilfe – wie „Maria im Tann" in Aachen, dem Haus St. Josef in Eschweiler oder dem Kinderheim St. Hermann-Josef in Herzogenrath – gibt es Wohngruppen speziell für minderjährige Flüchtlinge. In einem geschützten Rahmen sollen sie hier ankommen und zur Ruhe kommen können, während ihre weitere Zukunft geklärt wird. Dazu gehört neben dem Aufenthaltsverfahren unter anderem, sie in einer Schule unterzubringen und mit Hilfe der Flüchtlingsberatungsstelle des Café Zuflucht in Aachen mit ihnen ihre Fluchtgeschichten aufzuarbeiten. Ein individueller Hilfeplan wird erstellt.

Ganz wichtig ist dabei die menschliche Komponente, den Jugendlichen ein Stück Geborgenheit und einen normalen Alltag zu ermöglichen, mit Kontakten zu Gleichaltrigen und auch mal wieder unbeschwerten Momenten.

Ehrenamtliche Vormundschaften

Minderjährige Flüchtlinge, die ohne einen Erziehungsberechtigten nach Deutschland kommen, brauchen einen Menschen, der sich in besonderem Maße um sie kümmert und Verantwortung für sie übernimmt. Vom Familiengericht werden deshalb Vormünder für sie bestellt.

Bis Anfang 2015 waren das in Aachen ausschließlich hauptberuflich tätige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Jugendamtes und der Vormundschaftsvereine. Jeder dieser Vormünder ist für bis zu 50 Kinder und Jugendliche zuständig. Seit Januar 2015 vermittelt der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in Aachen im Projekt „Do it!" auch Ehrenamtliche, die die Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernehmen. Sie werden über den SKF geschult und von zwei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen begleitet. Gut 55 Ehrenamtliche haben sich bislang für eine Vormundschaft entschieden.

Sie betreuen in der Regel einen minderjährigen Flüchtling und sind mehr als nur deren rechtliche Vertreter. Sie begleiten und unterstützen die Jugendlichen, kümmern sich um ihre Schulbildung und eine angemessene Unterbringung, klären die aufenthaltsrechtliche Situation und sorgen für die medizinische  Versorgung. Für die Jugendlichen werden sie zu wichtigen Ansprechpartnern und Begleitern in ihrem neuen Leben in der Region Aachen.

Patenschaften für junge Flüchtlinge

Mit dem Erreichen der Volljährigkeit endet in der Regel die Zuständigkeit des Jugendamtes und des Vormunds, nicht aber der Hilfe- und Unterstützungsbedarf junger Flüchtlinge. Um sie nicht alleine zu lassen und damit auch ihre sich zumeist positiv entwickelnde Eingewöhnung und Integration (Schulbesuch, Spracherwerb, soziale Kontakte) nicht zu gefährden, sind Patenprojekte speziell für diese Gruppe entstanden.

In Aachen kümmert sich das  Projekt „Aachener Hände" des katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM) um diese Gruppe. In den Kommunen der Städteregion gibt es unter anderem das Projekt  „Gemeinsam Wege gehen" des Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in Stolberg, das sich um erwachsene Flüchtlinge (Einzelpersonen und Familien) sowie auch um unbegleitete minderjährige und junge erwachsene Flüchtlinge kümmert.

Die ehrenamtlichen Paten unterstützen die Flüchtlinge und ihre Anliegen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen und werden so zu engen Bezugspersonen und wichtigen Lotsen in unserer für sie fremden Kultur und Gesellschaft. In Aachen ist die Hilfsbereitschaft, jungen Menschen eine Hand zu reichen, so groß, dass das Projekt eine Warteliste einführen musste. Neben der Vermittlung von Paten steht in beiden Projekten vor allem auch die Schulung und die fachliche Begleitung der Ehrenamtlichen im Vordergrund.

Angebot zur Tagesstrukturierung

Nichts Sinnvolles zu tun zu haben: Gerade für junge Menschen ist das eine sehr unbefriedigende Situation, wollen sie sich doch in ihrem neuen Heimatland eine Zukunft aufbauen. Solange ihr Aufenthaltsstatus und ihr Asylverfahren  noch nicht abgeschlossen sind, dürfen sie jedoch noch nicht arbeiten, was die Integration nicht gerade leichter macht.

Der Regionale Caritasverband hat daher in Alsdorf das Projekt „Lernwerkstatt" gestartet. Hier werden jungen Flüchtlingen bis 30 Jahre in Zusammenarbeit mit dem Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VABW) Angebote für einen geregelten Alltag gemacht. So sollen die jungen Menschen nicht nur tagsüber etwas Sinnvolles zu tun haben, sondern auch Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, die es ihnen erleichtern, sich hier bei uns eine Zukunft aufzubauen. An zwei bis drei Tagen in der Woche soll in verschiedenen Modulen handwerklich gearbeitet werden, Sprachkenntnisse vertieft und Hilfreiches über den Alltag und das Zusammenleben in Deutschland vermittelt werden. Angeboten werden sollen zum Beispiel Nähkurse, aber auch andere handwerkliche, kreative oder praktische Kurse, vom Gärtnern übers Kochen bis zur Vermittlung von Computerkenntnissen oder Anleitung, wie man ein Instrument spielt. Ein Vorteil der Kooperation mit dem VABW ist außerdem, dass hier Menschen aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen aufeinander treffen und so gegenseitige Vorbehalte abgebaut werden sollen.

Die Anleitung übernehmen hauptamtliche Mitarbeiter des VABW gemeinsam mit ehrenamtlichen Kräften, die über den Migationsdienst der Caritas betreut und begleitet werden.

INFO

Ehrenamtliche Vormundschaften, SKF Aachen,
Ute Leroy und Britta Jagdfeld,
Tel. 02 41/470450, E-Mail: ute.leroy@skf-aachen.de  bzw. britta.jagdfeld@skf-aachen.de, www.skf-aachen.de

Lernwerkstatt Alsdorf, Yvonne Hildebrandt,
Tel. 02 41/94927227,
E-Mail: y.hildebrandt@caritas-aachen.de

Aachener Hände, SKM Aachen, Tel. 02 41/41355- 5 31, E-Mail: aachener.haende@skm-aachen.de , www.aachener-haende.de

Gemeinsam Wege gehen, SKF Stolberg,
Edeltraud Krieweth, Tel.
02402/951640, E-Mail: krieweth@skf-stolberg.de