SKM Jahresbericht 2018-2019 mit dem Schwerpunktthema Familie

Jahresbericht 2018-2019 (c) SKM
Jahresbericht 2018-2019
Datum:
Mo 14. Sep 2020

Mit Vorworten von Hans Mülders, Vorsitzender SKM Aachen e.V., und Dr. Franziska Giffey Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Editorial

ich muss gestehen, mir ist noch kein Beitrag für einen Jahresbericht so schwer gefallen,
wie dieser. Ich litt unter einer regelrechten Schreibblockade. Über die Weihnachtsfeiertage
habe ich mir dann die Zeit genommen, um nach den Gründen zu suchen, warum es mir diesmal so schwer gefallen ist, einen kurzen Text über das Thema Familie zu schreiben.

Ich kann aus den verschiedensten Perspektiven über Familien berichten. Als Geschäftsführer eines gemeinnützigen Vereines, der soziale Verantwortung hat – insbesondere für Familien, als Arbeitgeber für Menschen, die Familie haben, als Vater von drei Töchtern, als Ehemann, als Sohn, als Bruder, als Schwiegersohn, als Schwager, als Neffe und Cousin – ich bin quasi „Mehrfach-Betroffener“ und könnte somit unendlich viel zum Thema beitragen. Meine Schreibhemmung liegt also nicht an fehlenden Berührungspunkten oder Erfahrungswerten. Es ist eher das Gegenteil. Das Thema Familie geht mir sehr nah, ich nehme es persönlich, vielleicht sogar zu persönlich?

Meine zahlreichen Zugänge zum Thema erschweren die Situation eher. Jeder berufstätige
Vater und jede berufstätige Mutter weiß wovon ich spreche. Wir möchten uns am liebsten vierteilen, damit wir an möglichst vielen Orten gleichzeitig sein können, um allen um uns herum – vor allem den eigenen Kindern – gerecht zu werden. Am besten sehen wir dabei auch noch glücklich und zufrieden aus. Wir müssen perfekt sein, für die Kinder, für die Partnerin, den Partner und natürlich – Herzlich willkommen in der Moderne – für Instagram und Facebook und Co.

Das belegen auch die aktuellen Studien zum Thema. Eltern stehen enorm unter Stress.
Das größte Problem ist die Zeitknappheit, denn zwischen Berufstätigkeit, Kindererziehung
und zum Teil sogar noch eigenen pflegebedürftigen Eltern bleibt nicht mehr viel übrig vom Tag und von einem selbst. Die Ursachen und Erklärungsmodelle für die Probleme sind vielfältig.

Mein Eindruck ist aber, dass die Herausforderungen, vor der die Familien heutzutage
stehen, vor allem individualisiert werden. Zu wenig Zeit für die Kinder? Dann arbeite
weniger! Dein Arbeitgeber will nicht, dass Du in Teilzeit arbeitest? Such Dir einen neuen Job!
Zu wenig Geld für ein bezahlbares Zuhause in deiner Stadt, dann zieh in eine günstigere
Gegend! Zu wenig Geld für den Lebensunterhalt? Dann geh mehr arbeiten!

Deine Familie, Deine Verantwortung. Nein! So einfach ist es eben nicht! Es muss sich etwas ändern. Es ist die Verantwortung von uns allen, der gesamten Gesellschaft, dass wir die Lebensumstände und Bedingungen für Familien in Deutschland verbessern. Bezahlbarer Wohnraum, ausreichende und kostenlose Betreuungsmöglichkeiten, flexiblere Arbeitszeitregelungen, ausreichende Kinder- und Geburtskliniken, bessere Bedingungen für pflegende Angehörige, bessere ambulante und stationäre Versorgung von pflegebedürftigen Menschen und ein gerechteres Steuermodell… nur einige der vielen Forderungen, die schon so viel verbessern könnten. Hier ist Politik gefragt, aber auch die Zivilgesellschaft. Wie blicken wir auf Familie, wie bewerten wir Mütter, Väter, Kinder, alte Menschen? Werden die Leistungen, die von Familien erbracht werden von uns ausreichend
gewürdigt und wertgeschätzt?

Wir alle können, nein, wir sind Gestalter und Gestalterinnen. Deswegen müssen wir uns auch selbstkritisch fragen, was tun wir selbst im Privaten wie im beruflichen Umfeld, um die Situation von Familien zu verbessern?

Bei uns im SKM Aachen e.V. bieten wir z.B. familienfreundliche Arbeitszeitmodelle an. Eine große Herausforderung als Träger von zwei Seniorenzentren, aber es geht darum, sein Möglichstes zu tun. Gleichzeitig bewirken und bewegen wir durch unsere Arbeit mit Familien Veränderung in der Gesellschaft. Das alles mag natürlich nur ein kleiner Teil
sein, wenn man sich die gesamten Herausforderungen vor Augen führt. Aber es ist ein sehr
wichtiger Teil.

Also ja, ich nehme das Thema Familie sehr persönlich. Und das sollten wir alle tun.
Es ist unsere Zukunft!

Ihr Torsten Nyhsen
Geschäftsführer SKM Aachen e.V.