SKM schlägt Alarm und fordert Anpassung

Ein Bericht im Super-Mittwoch vom 15. Januar 2014

Super Mittwoch 15 01 2014
Super Mittwoch 15 01 2014
Di 21. Jan 2014
Energieschulden: 84-jährige Frau seit einem Jahr ohne Strom und Heizung in ihrer Wohnung.

Aachen. Seit Jahren steigen die Energiekosten. Menschen mit geringen Einkommen drohen durch massiv erhöhte Preise Energieschulden und Stromsperren. Deswegen sei es dringend notwendig, dass der Gesetzgeber die Leistungen im SGB II und SGB XII den tatsächlichen Stromkosten anpasse, meint der Soialdienst Katholischer Männer (SKM).

"Energiearmut ist in Deutschland längst angekommen", sagt Christiane Krapohl-Nolden. Die Dipl.-Sozialarbeiterin arbeitet im Allgemeinen Sozialen Dienst des SKM Aachen e.V. und trifft täglich auf Menschen, die sich Strom und Heizung nicht mehr leisten können. Frau K. ist eine davon. Die 84-jährige Witwe lebt seit über einem Jahr ohne Heizung und Strom in ihrer Wohnung. Aufgrund der ständigen Preiserhöhungen der Energiekosten bestehen beim Energieanbieter Schulden in Höhe von 2.500 Euro. Die Rentnerin hat ihr Leben lang hart gearbeitet und möchte, wie sie sagt, dem Staat nicht auf der Tasche liegen und die Schulden aus eigener Kraft begleichen. Wann das mit ihrer kleinen Rente geschehen wird, ist nicht abzusehen. Bis dahin hilft Frau K. sich mit Kerzen und wäscht sich mit einer Waschschüssel.

Aber auch die jetzigen Hilfeleistungen vom Staat, so die Einschätzung des SKM, schützen nicht vor Energiearmut. Es seien vor allem Familien, die trotz Erwerbstätigkeit immer wieder neue Schulden machen müssten, um die Energiekosten zu begleichen. "Es ist ein Teufelskreis für die Familien. Aufgrund ihres geringen Einkommens und ds angespannten Wohnungsmarktes in Aachen wohnen sie in schlecht sanierten Gebäuden. Oft gibt es Schimmel in den Wohnungen, weil die Feuchtigkeit durchzieht. Die Heizkosten sind dadurch sehr hoch. Auch stromeffiziente Elektrogeräte sind in der Anschaffung sehr teuer. 2,99 Euro pro Monat sieht der Regelsatz des Jobcenters für die Anschaffung von Haushaltsgeräten vor. Mit dieser Summe sind eine energiesparende Waschmaschine oder ein Kühlschrank unerreichbar", erkärt Ruth Koch, Mitarbeiterin der Beratungsstelle. Die KOnsequenzen bedeuten für die Familien die Anhäufung von Energieschulden. Das Sozialamt bietet den Betroffenen Darlehen an, die dann von der Regelleistung monatlich abgezogen werden. Da die Kosten jedoch weiter steigen, die monatlichen Einnahmen der Familie durch die Tilgung des Darlehens aber sinken, geht die Schulden-Spirale weiter.

Der SKM Aachen e.V. fordert im Schulterschluss mit anderen Wohlfahrtsverbänden deswegen, dass die neue Regierung sich ihrer Verantwortung stellt und aktiv Maßnahmen gegen die Energiearmut in Deutschland unternimmt. Deutschland brache eine Energiewende, aber bitte sozial verträglich gestaltet. Vorschlag des SKM: Die Angleichung des Regelbedarfs an den tatsächlichen Strompreis, die Vermeidung von Stromsperren und die Finanzierung von Stromsparberatungen wären erste Schritte in diese Richtung.