Strategien zur Konfliktlösung

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 32/2018

gewaltlos stark
gewaltlos stark
Mi 8. Aug 2018

Seit einem Jahr arbeitet der SKM Aachen im Projekt „Gewaltlos stark“ mit Tätern bei häuslicher Gewalt

Egal ob körperlich, sexuell oder psychisch, Gewalt darf in einer Beziehung keine Option sein, erst recht nicht, wenn Kinder mitbetroffen sind. Doch es passiert – immer wieder: Jede vierte Frau zwischen 16 und 85 Jahren hat mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch einen Partner erlebt. In Aachen gibt es für betroffene Frauen ein Netz von Anlaufstellen, die Hilfe und Beratung anbieten. Das Angebot des SKM ergänzt dies seit Mai 2017.

Täterarbeit sei auch Opferschutz, erklärt Torsten Nyhsen, Geschäftsführer des Katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM) in Aachen. „Es gab vorher nichts in dem Bereich. Jedoch, wenn man da nachhaltig tätig sein will, müssen erlernte Verhaltensmuster durchbrochen und Tätern alternative Konfliktlösungen  jenseits von Gewalt vermittelt werden.“ Darauf baut das Projekt auf. Es bietet Männern, die gegenüber ihrer Partnerin gewalttätig geworden sind oder Sorge haben, es (erneut) zu werden, sowie Männern, die wegen häuslicher Gewalt verurteilt sind, Auflagen oder ein Kontaktverbot haben, Einzelberatungen an. Außerdem bringt sich „Gewaltlos stark“ in die Vernetzung von Täterarbeit und Opferschutz und bei
der Prävention ein. 

Von Mai bis Dezember 2017 hatte das Projekt 22 Anfragen, von denen zehn geblieben sind. 2018 waren es bislang 31 Anfragen. Die Männer sind zwischen 21 und 58 Jahre, haben die deutsche Staatsangehörigkeit,
die Hälfte davon mit Migrationshintergrund, wie Projektleiterin Andrea Crombach erläutert. Sie haben
überwiegend ein mittleres bis höheres Bildungsniveau, sind mehrheitlich berufstätig, zu einem Drittel Väter und zu fast 80 Prozent Wiederholungstäter. Zwei Drittel haben es innerhalb des Projektes bislang geschafft, auf Gewalt zu verzichten.

Notfallpläne, bevor die Dinge eskalieren

Die Beratung setzt neben dem Gewaltverzicht – eine entsprechende Erklärung ist Grundlage der Beratung – auf die Stärkung sozialer Kompetenzen, über die die Männer in anderen Situationen wie beispielsweise
im Beruf durchaus verfügten. „Da können sie Verantwortung übernehmen, haben Lösungskompetenzen“, erklärt Torsten Nyhsen. „Gewalt ist oftmals aus der eigenen Kindheit erlerntes Verhalten und die einzige Idee zur Konfliktlösung“, beschreibt es Andrea Crombach. Im Gespräch arbeitet sie mit den Männern
auf, was bei ihnen zur Ausübung von Gewalt führt und entwickelt Strategien mit ihnen, Probleme und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Für Situationen, in denen sie in die bekannten Verhaltensmuster zu verfallen drohen, entwickelt sie mit ihnen Notfallpläne. „Das kann zum Beispiel sein, den Raum zu verlassen, sich der Situation zu entziehen, auch wenn die Partnerin dagegen protestiert, weil sie Dinge klären möchte.“ Wie bei einem Luftballon, der sonst zu platzen droht oder einem Kessel kurz vor dem Überkochen, geht es dabei zunächst darum, Druck herauszunehmen, bevor die Dinge eskalieren. In weiteren Schritten wird geschaut, was Auslöser sind und welche anderen Probleme es gibt. „Man streitet in der Regel nicht über das, worüber man gerade redet, sondern über Themen dahinter.“ Wichtig ist Andrea Crombach auch, ihren Klienten zuzuhören. „Wir nehmen ihnen die Last ,Du bist schuld‘, lassen sie ihre Sicht der Dinge erzählen.“ Da kämen dann Eingeständnisse wie: „Das war ein Fehler, meine Frau und meine Kinder sollen leiden, das habe ich selbst erlebt, aber …“, berichtet sie. „,Aber‘ dürfen sie, doch es gibt eine klare Haltung, Gewalt geht nicht“, sagt sie. 

Auch die Frauen bleiben nicht außen vor. Sie werden informiert, wenn ihr Partner an dem Projekt teilnimmt und erhalten auch die Möglichkeit, ihre Sicht zu schildern. Das ist auch Teil der Vernetzung mit anderen Angeboten, die weiter ausgebaut werden soll.